Artikel in der BFB Zeitschrift vom Sommer 2010

Begeisterung

Als sich vermehrt auf Initiative westlicher Indienreisender das System des Yoga in den Sechziger Jahren auch in Europa verbreitete, war vor allem Begeisterung über die vielen erweiterten Gefühlsspektren für Körper, Sinne, Psyche und Geist das Motiv für die Weitergabe von Ernährungs- und Lebensregeln, sowie Übungen für Körper, Atem, Konzentration und Meditation. Außer den indischen Meisterschülern, die von ihren spirituellen Lehrern nach zwölfjähriger Ausbildung Richtung Westen in unbekanntes Terrain geschickt wurden, besaßen die, die Teile des Yogasystems hier weitergaben, außer ihrem hohen Begeisterungsgrad nur sehr wenig an grundlegendem Verständnis, es sei denn sie hatten zuvor viele Jahre bei indischen Meistern selbst investiert, was jedoch im Verhältnis die Ausnahme blieb.

Trial and error

Diese Situation war der Verbreitung von Yoga durchaus zuträglich, führte jedoch bald zu großer Unsicherheit bei Lehrenden und Schüler/innen, da die Auswirkungen zwar eintraten, jedoch ohne Wissen der Lehrenden um eine Begleitung und Korrektur.Trial und Error war die didaktische Basis, Beschwerden häuften sich. Aus dem dringenden Wunsch nach fundierter Ausbildung gründeten sich weltweit mehrere private Vereine.

Erste Ausbildungsentwürfe

Für die Ausbildungsentwürfe wurden unterschiedliche Wertungen gesetzt. Es entwickelten sich private Ausbildungen von Personen oder Vereinen in einer Bandbreite zwischen zwei Wochen und vier Jahren. Abgesehen davon, dass Yogaübende gern ausbildeten, wie sie es persönlich wollten, ohne sich um didaktische oder pädagogische Vorgaben zu kümmern, war auch seitens des öffentlichen Bildungssystems ein Ausbildungsberuf Yoga lange Zeit nicht denkbar. Heute üben viele der Entscheider/innen an staatlichen Stellen selbst eine Form des Yoga.

Staatliche Anerkennung der Ausbildungsinstitution

So waren wir willkommen, als die ashtanga-yoga-association den Antrag stellte, staatlich anerkannte berufsbildende Ergänzungsschule zu werden. Der erste Schritt aus dem privaten Rahmen in die staatliche Anerkennung für den Beruf Yogalehrer/in weltweit ist getan. Eine Ausweitung ist absehbar. Möglicherweise entwickeln sich weitere Perspektiven zu einer im öffentlichen Bildungssystem integrierten Ausbildung für Yogalehrende.

Weiterbildung

Wenn man einmal grundlegend in drei Jahren und 1465 Unterrichtseinheiten mit didaktisch/ pädagogischem Konzept und breiten Lehrinhalten des Yoga ausgebildet ist, benötigt man keine baldigen und großen Weiterbildungen mehr. Das Wissen nimmt nun innerlich seinen Entwicklungsverlauf, der Körper eignet sich neue Bewegungsmuster an, der Geist neue und vielfältigere Denkstrukturen.

Grundausbildungen liften

Es liegt mehr an den Mängeln der privaten Grundausbildungen, dass das Weiterbildungssystem in Anspruch genommen werden muss, da häufig große Bereiche in der Ausbildung ausgespart oder wenig umfassend und klar vermittelt werden. Die kurzen Grundausbildungen weltweit sind eher Weiterbildungen als Ausbildungen. Häufig wird die Ansammlung von Weiterbildungen als Ausbildung gesehen. Einer freier Berufsausübung im Yogabereich sollte eine Ausbildung an einer staatlichen Ausbildungsinstitution vorangehen. Dass die Berufsausübung auf selbständiger Tätigkeit beruht, bedeutet nicht, dass die Ausbildung im privaten selbstorganisierten Rahmen bleibt.