Ausbildung

Allgemeine Informationen zur Yogaausbildung und Zertifizierung

Zertifikate, die die Autorisierung eines Lehrers durch einen weiter fortgeschrittenen Lehrer belegen, gibt es in Indien sehr viele – auch einige zum Stil des Ashtanga Yoga. Die Liste der von Pattabhi Jois autorisierten Lehrenden kann sogar im Internet verifiziert werden. Die Voraussetzung ist das Schülersein durch vier Jahre hindurch, für den Zusatz „certified“ sogar 10 Jahre. Bestimmte Leistungen sind dafür nachzuweisen. Eine Ausbildung bietet Pattabi Jois nicht an, andere ashtanga-Lehrende in Mysore verweisen auf ein kurzes Teachers‘ Training ihrer Schule. Um im Westen ausbilden zu können, muss man nicht von PJ oder anderen indischen Lehrenden zertifiziert sein. Sie haben auch nichts gegen Ausbildungen im Westen. Es wäre auch nicht möglich.

Weiterhin gibt es nach wie vor die Yogaausbildungen und Berufsverbände in den jeweiligen Heimatländern der yogi/es mit genauen Qualitätskriterien für Unterrichtende, die nachzuweisen sind, wenn man sich dem Verband anschließen möchte. Der englische Begriff „to certify“ ist genau wie das deutsche „zertifizieren“ nicht von einer bestimmten Schule oder einem Verband geschützt. Daher können Yoga Institutionen weltweit ihren Absolventen sogenannte Zertifikate erteilen. Hier zertifizieren die den Verbänden angeschlossenen Schulen ihre Ausbildung, nicht z. B. die Berechtigung, auf der Liste ashtanga.com zu stehen.

Sehr viele Lehrende der ashtanga Szene geben sogenannte teacher trainings, die nach ihrem Wunsch eigentlich nur für bereits ausgebildete Lehrende als Weiterbildung gedacht sind. Leider werden sie von der großen Workshop Yogaszene besucht, so dass viele mittlerweile Ashtanga unterrichten, die ein Wochenende oder eine Woche „teachers training“ mitgemacht haben. Auch auf diesen Bestätigungen wird der Begriff „to certify“ verwendet. Deshalb haben sich in den 70er Jahren weltweit größere Yogaverbände gegründet, um dagegen Qualitätsstandards zu setzen und langfristige Ausbildungen, wie sie sich für Lehrende eignen, zu entwickeln. Auch diese Verbände und Ausbildungsschulen „zertifizieren“ oder „diplomieren“ Yogalehrende bzw. stellen „Zeugnisse“ aus; das Zertifikat oder Diplom basiert auf einem genau festgelegten Lehrplan, nach dem sich alle richten, und genau definierten Qualitätskriterien, nach denen ausgebildet wird. Solche Verbände wurden vor einigen Jahrzehnten einmal dringend nötig, da die Qualität des Yogaunterrichts, der sich sehr schnell verbreitete, immens auseinander driftete. Der Ruf des Yoga an sich begann zu leiden, der Handlungsbedarf erhöhte sich.

Ashtanga Yoga, der gesundheitsfördernde, erfrischende Hatha Yoga Stil, kam erst spät nach Deutschland. Während er zum Beispiel in USA strengen Ausbildungskriterien unterliegt, unterrichten in Deutschland häufig noch Lehrende, die keine, oder lediglich geringfügige Schulungen durchlaufen haben.
Leider wird jedoch ashtanga yoga in Europa und USA zum großen Teil so gelehrt, als gäbe es keine Schritt-für-Schritt Heranführung (vinyasa-krama). Dadurch wird die hervorragende Körperarbeit des ashtanga yoga scheinbar nur für bereits fitte Leute als sinnvoll erachtet. Einige hören auf, weil die Schritt-für-Schritt Heranführung vernachlässigt wird. Ashtanga Yoga ist jedoch, jedenfalls nach der indischen Tradition, für alle gedacht, die sich dieser Schritt-für-Schritt Heranführung stellen, auch für ältere Menschen und vor allem für Leute mit alten Verletzungen oder Körperproblemen, denn ashtanga wurde vor vielen Tausend Jahren entworfen, um den Körper sehr langsam wieder in seine natürliche Ausrichtung zu bringen und so jedem belasteten Körperteil Erholung zu gewähren, um sich wieder zu regenerieren.

Dazu ist der sogenannte „Mysore-Style„, die Heranführung zu individueller und eigenständiger Arbeit im ashtanga bestens geeignet. Der „geführte“ Unterricht, die sogenannte „led class„, wo nach Ansage des Taktes der vinyasas durch die Serie geführt wird, ist die höchste und konditionsreichste Stufe. Sie wird nach der Tradition für Fortgeschrittene gelehrt und dient der Konditionsmaximierung. Für Anfänger ist sie nicht vorgesehen, im Westen jedoch mangels Ausbildung verbreitet. Die enge Verbindung der ashtanga yoga Körperarbeit zur Philosophie der yoga sutra-s von Patanjali und zur Hatha Yoga Pradipika, wo die bandhas und die feinstoffliche prana-Arbeit beschrieben sind, muss beachtet werden, um Geist und Körper zu koordinieren.

Auch aya ist aus dem Wunsch entstanden, ashtanga yoga gesundheitsfördernd aufgrund einer detaillierten Ausbildung zu vermitteln: Schritt für Schritt. Dazu wurden Kriterien entwickelt, denen sich bereits 10 Schulen und weitere Lehrende angeschlossen haben.