vīrabhadrāsana A

Januar 15, 2016 By In Asana im Fokus Kommentare deaktiviert für vīrabhadrāsana A

vīrabhadrāsana A

Widmung an den großen Helden

Daksha feierte einst ein großes Opferfest, aber er lud weder seine Tochter Satī, noch deren Mann Shiva, den Obersten der Götter ein. Satī ging dennoch zu der Opferfeier. Doch da man sie tief demütigte und beleidigte, warf sie sich ins Feuer und verbrannte. Als Shiva dies hörte, fühlte er sich herausgefordert, riss ein Haar aus seinen verfilzten Locken und warf es auf die Erde. Ein großer Held, Vīrabhadra, erhob sich aus dem Boden und erwartete seine Befehle. Es wurde ihm gesagt, er solle Shivas Heer gegen Daksha führen und die Opferfeier stören. Vīrabhadra und sein Heer erschienen inmitten von Dakshas Versammlung wie ein Wirbelsturm, zerstörten das Opfer, besiegten die anderen Götter und Priester und enthaupteten Daksha. Shiva zog sich im Schmerz um Satī zum Kailās zurück und versank in Meditation.

Satī wurde als Umā im Haus des Himalaya wiedergeboren. Sie suchte noch einmal die Liebe Shivas und gewann durch ihre Bemühungen sein Herz.

Diese Geschichte erzählt Kālidāsa in seiner großen Dichtung Kumāra Sambhava (Die Geburt des Kriegsgottes). Diese Stellung ist dem großen Helden gewidmet, den Shiva aus seinem Lockenhaar schuf.

Aus „Licht auf Yoga“, B.K.S. Iyengar

Allgemeines

vīrabhadrāsana A basiert auf einem Ausfallschritt mit Rumpfstreckung zur Weitung des Brustkorbs. Obwohl die Pose statisch ist, vermittelt sie einen Eindruck geballter Kraft.

Gemäß Yoga Mala (Ausgabe 2010, S. 67, letzter Absatz „benefits“) werden durch das Praktizieren von vīrabhadrāsana A alle Gelenke, genauso wie der untere Bauch, die Wirbelsäule und die Geschlechtsorgane gereinigt. Zusätzlich werden schmerzende Knie sowie Schmerzen, die aus ständigem Sitzen oder Stehen resultieren, behoben.

vīrabhadrāsana A kommt in der ersten Serie des Ashtanga Yoga in sūrya namaskāra B und als vorletzte der Standpositionen vor. In sūrya namaskāra B wird das āsana aus adho mukha śvānāsana heraus mit einer Einatmung (EA) eingenommen, rechts auf vinyasa sieben und links auf vinyasa elf. Die nächste Position ist caturaṅga daṇḍāsana; sie folgt im Rahmen einer Ausatmung (AA) auf vinyasa acht, bzw. zwölf.

Als vorletzte Standposition wird vīrabhadrāsana A rechts ebenfalls aus adho mukha śvānāsana kommend mit einer EA auf vinyasa sieben eingenommen. An dieser Stelle wird die Position für fünf Atemzüge gehalten. Auf vinyasa acht folgt mit einer AA die 180 Grad Drehung zur linken Seite, wo man ebenfalls für fünf Atemzüge verweilt. Von hier aus wird mit einer EA auf vinyasa neun vīrabhadrāsana B, die letzte Standposition der ersten Serie, zuerst auf der linken Seite eingenommen.

So soll es aussehen

In einem langen Ausfallschritt befinden sich die Fersen beider Füße auf einer Linie. Der vordere Fuß steht parallel zur langen Mattenseite und befindet sich in Nullstellung. Der hintere kann parallel zur kurzen Mattenseite ausgerichtet oder bis zu 10 Grad einrotiert sein. Dabei befindet er sich in einer dorsalen Extension und in Supination.

Das vordere Bein ist im Kniegelenk 90 Grad gebeugt, so dass der Oberschenkel parallel zum Boden verläuft. Das Knie steht dabei in einer gemeinsamen Achse mit Hüft- und Fußgelenk senkrecht über dem Fußgelenk und fällt somit weder nach außen noch nach innen.

Das hintere Bein ist gestreckt und der Oberschenkel rotiert leicht nach außen. Dabei ist es wichtig, dass auch hier das Knie unabhängig von einer möglichen Variation der Fußstellung in der oben schon genannten Gelenkachse bleibt.

Das Becken ist nach ventral gekippt und zum hinteren Bein hin leicht in die Diagonale geöffnet. Die vordere Hüfte ist gebeugt, die hintere gestreckt. Beide Beine sind abduziert. Das Brustbein ist durch Rotation der Brustwirbelsäule frontal nach vorne ausgerichtet. Je geringer die diagonale Öffnung des Beckens ist, desto größer ist die Außenrotation des hinteren Beines. Die Rotation in der Brustwirbelsäule und die Abduktion des vorderen Beines hingegen nehmen ab.

Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule sind gestreckt, der Kopf ist gehoben, der Blick geht nach oben zu den Daumen.

Die Schultern sind breit und werden weder nach oben noch nach unten gezogen. Die Arme sind über dem Kopf nach oben ausgestreckt, die Handflächen berühren sich, die Finger sind geschlossen und gestreckt.

 

Anhang 12 Virabad
Anhang 6 Virabad II

Der Weg dahin
M.= Abkürzung für Musculus (der Muskel)

Der M. gastrocnemius presst den vorderen Fuß auf den Boden und untertützt die ischiocrurale Muskulatur bei der Flexion des Knies. Der M. quadriceps femoris leistet die Hauptarbeit, indem er das Körpergewicht trägt und die Beugung im Knie kontrolliert. Der M. gluteus und der M. sartorius abduzieren das vordere Bein.

Im hinteren Bein übernimmt der M. quadriceps femoris die Extension des Knies. Der Fuß wird durch den M. tibialis anterior in die dorsale Extension und in Supination geführt. Der M. gluteus und der M. sartorius abduzieren wiederum das Bein.

Der M. iliopsoas und der M. rectus femoris beugen die vordere Hüfte, der M. gluteus maximus und M. gluteus medius strecken die hintere Hüfte und rotieren das hintere Bein nach außen.

Der M. rectus abdominis richtet das Becken auf und stabilisiert den Oberkörper. Die Rotation im Rumpf übernehmen der M. obliquus externus abdominis und der M. obliquus internus abdominis. Die gesamte Wirbelsäule wird durch den M. erector spinae gestreckt und stabilisiert. Der M. sternocleidomastoideus hebt den Kopf und streckt zusätzlich die Halswirbelsäule.

Die Streckung der Ellenbogen erfolgt durch den M. triceps brachii. Während der M. trapezius pars ascendens die Schultern unten hält, dreht der M. serratus anterior die unteren Schulterblattwinkel in einer Glockenbewegung nach außen und leitet so das seitliche Heben der Arme ein. Daraufhin abduziert der M. deltoideus die Arme, wobei er bis zu einem Winkel von 70° vom M. supraspinatus unterstützt wird. Letzterer übernimmt dann im Zusammenspiel mit dem M. infraspinatus und dem M. teres minor gleichzeitig die Außenrotation der Arme. Abschließend führen der M. supinator und der M. brachioradialis durch das Gegeneinanderdrehen von Elle und Speiche den Unterarm in die Supination, so dass die Handflächen zusammengelegt werden können.

Schritt für Schritt – vinyasa krama

Basierend auf der korrekten Fußstellung ist zunächst auf die Einhaltung der Gelenkachse (Hüft-, Knie-, Fußgelenk) in den Beinen zu achten. Diese ist maßgeblich und darf auch nicht zu Gunsten einer vermeintlich besseren Positionierung des Beckens aufgegeben werden.

Mit nach vorne ausgerichtetem Brustbein werden die Arme gestreckt nach oben gehoben, die Hände geschlossen und der Blick zu den Daumen gerichtet. Hierbei gilt es, ein Hochziehen der Schultern zu vermeiden. Ist dies nicht möglich, gibt es zwei unterschiedliche Lösungswege, die zielführend sind:

  1. Die Arme nur soweit heben, dass die Schulterpartie ihr korrektes Alignment nicht einbüßt. Von da aus daran arbeiten, die Hände zusammenzubringen.
  1. Den Fokus darauf legen, die Arme zur Decke zu strecken und die Hände aneinander zu legen. In diesem Fall müssen die Schultern nachgearbeitet werden.

Welcher Ansatz zu wählen ist, sollte individuell entschieden werden.

Bewegungseinschränkungen, die hinderlich wirken

  • Kräftedefizit in den Beinen
  • Eingeschränkte Flexibilität in der Hüfte
  • Mangelnde Fähigkeit, das Bein auszurotieren
  • Mangelnde Extensions- und Rotationsfähigkeit in der Brustwirbelsäule
  • Mangelnde Flexibilität in Schultergürtel und -gelenk
  • Bei extremen Nackenproblemen könnte es schwierig sein, den Kopf in den Nacken zu legen, um den Blick Richtung Daumen zu heben

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