SAMASTHITI

Juni 25, 2015 By In Asana im Fokus Kommentare deaktiviert für SAMASTHITI

Samasthitiist die Grundhaltung, von der aus im Full – Vinyasa alleāsanas beginnen und enden.

 

Das WortSamāsthitihist die imperativ Form vom Verb samāsthā(aufrecht-stehen) und die AnsageSamasthiti bedeutet eben die Aufforderung, diese aufrechte Haltung einzunehmen.

Sri K. Patthabi Jois beschreibtSamasthitiin der Yoga Mala im Zusammenhang mit

Sūrya Namaskāra Afolgendermaßen: „Um anzufangen, bringe die Beine zusammen, wobei sich die Fersen und große Zehen berühren. Hebe die Brust, senke leicht den Kopf und stehe aufrecht mit Blick auf die Nasenspitze. Dies wird Samasthiti genannt, was so viel bedeutet wie in einer geraden Linie stehen.“(Sri K. Pattabhi Jois, Yoga Mala, New York 2010, S.43, Übersetzung: Ausbildungsgruppe 9)

Wenn man bedenkt, dass in der ersten Serie im Full – Vinyasa Samasthitiinsgesamt 67 mal eingenommen wird, ist klar, wie wichtig die korrekte Ausführung dieser Position ist.

Außerdem kommt Samasthiti als einem guten, im Sinne von physiologisch richtigen Stand evolutionsgeschichtlich eine besondere Bedeutung zu, da der Mensch durch seine aufrechte Körperhaltung einen hohen Körperschwerpunkt und im Verhältnis dazu eine recht kleine Basis, nämlich zwei Füße aufweist.

 

 

Füße

 

Alignment:

Das gesamte Körpergewicht verteilt sich gleichmäßig auf drei Punkten:

Auf der Mitte der Ferse, auf den Großzehenballen zwischen Metatarsale I und II und den Kleinzehenballen zwischen Metatarsale IV und V.

 

Mögliche Abweichungen dieser Gewichtsverteilung haben Einfluss auf die gesamte Körperstatik.

 

Die Fußgewölbe sind mäßig aktiviert.

 

Fehlstellungen:

– abgeflachtes oder erhöhtes Quer- und Längsgewölbe

– Pronations- oder Supinationsstellung (Knick-, Senk-, Spreiz- oder Hohlfuß)

– Krallenzehen

– Hallux valgus

 

 

Knie

 

Alignment:

mäßig gestreckt

 

Fehlstellungen:

– Hyperextension

– Varus- oder Valgusstellung (O – oder X – Beine)

 

 

Becken und Hüfte

 

Alignment:

physiologische Beckenkippung, d.h. minimal nach vorne gekippt (siehe Wirbelsäule) leichte Hüftinnenrotation

Leichte Kontraktion eines Teils des Beckenbodens (Musculus sphincter ani) durch Halten von mula bandha

 

Fehlstellungen:

– Beide Beine oder ein Bein nach außen rotiert

– Becken entweder vorgeschoben oder zu stark gekippt durch unphysiologische Wirbelsäulenkrümmung

 

Wirbelsäule

 

Alignment:

leichte axiale Extension, in der die Doppel S – Form , also alle natürlichen Krümmungen der Wirbelsäule, erhalten bleibt.

Steißbein, Kreuzbein in Kyphose

Lendenwirbelsäule in Lordose

Brustwirbelsäule in Kyphose

Halswirbelsäule in Lordose

Die Haltefunktion entsteht vor allem durch das Zusammenspiel der autochthonen Rückenmuskeln (Musculus erector spinae) und der Bauchmuskeln ( Musculus transversus abdominis, Musculus obliquus internus und externus abdominis, sowie Musculus rectus abdominis) durch den Einsatz von uddiyana bandha

 

Bei Frauen ist das Kreuzbein etwas steiler nach vorne geneigt, wodurch mehr Raum im Becken entsteht.

Fehlstellungen:

– alle Abweichungen dieser physiologischen Krümmungen

– Skoliose

 

 

Schultern und Arme

 

Alignment:

in der medialen Frontalebene; Arme liegen am Körper an

 

Fehlstellungen:

– Hyper – und Hypotonien in Schulter und Nackenmuskulatur durch unphysiologische Gelenkstellungen. Daraus resultierend Abnutzungserscheinungen und Schmerzen.

– Impingement – Syndrom

– HWS – Syndrom

 

 

Hände und Finger

 

Alignment:

Die Handflächen zeigen zum Körper; die Finger sind leicht gestreckt

 

Fehlstellungen:

– Handflächen zeigen nach hinten

– überstreckte Finger

 

 

Kopf

 

Alignment:

Der Kopf ist in der physiologischen Neutralstellung.

 

Fehlstellungen:

Alle Abweichungen, wie vorgeschobenes Kinn, Schiefhals

 

 

Wie aufgezeigt wurde, lassen sich viele Fehlstellungen bereits gut in Samasthiti erkennen. Daher empfiehlt es sich in der therapeutischen Arbeit im Ashtanga Yoga, besonderes Augenmerk auf die korrekte Ausführung dieser Position zu legen.

 

 

 

 

 

 

Ausbildungsklasse 9 der Ashtangayoga Werkstatt Köln, Januar 2015

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